Türkischer Staatsterror in Nordkurdistan (Türkei): 22 Tote bei Anti-IS Proteste

Pressemitteilung von FEYKOM – Verband der Kurdischen Vereine in Österreich
In einer Vielzahl von Städten Nordkurdistans (Osttürkei) kam es am 07. Oktober zu Protesten gegen die
Terrororganisation “Islamischer Staat” und ihre Unterstützung durch die AKP-Regierung. Die türkischen
Sicherheitskräfte griffen überall die Proteste mit äußerster Brutalität an. Bei Angriffen durch die türkische Polizei,
Mitglieder der radikalislamistischen Hüda-Par, AKP-Anhängern und Dorfschützern sind in verschiedenen Orten
insgesamt sieben Demonstranten ums Leben gekommen.
Der türkische Innenminister erklärte im Laufe des Abends, dass die türkischen Sicherheitskräfte jede gewaltsame
Aktion um ein Vielfaches vergelten werden.
Ein Toter in Wan (Van): In Wan demonstrierten rund zehntausend Menschen gegen den IS Terror. Als die
Demonstranten im Stadtzentrum einen Sitzstreik begannen, wurden sie von den türkischen Polizeikräften brutal
angegriffen, woraufhin es zu schweren Ausschreitungen in der ganzen Stadt kam. Die Polizei schoss hierbei auch scharf
auf die Demonstranten. Ein 55jähriger Demonstrant, der durch die Schüsse der Polizei verletzt wurde, erlag am späten
Abend seinen Verletzungen.
In Gimgim (Varto) schießt die Polizei scharf auf die Demonstranten: In Gimgim haben Polizeikräfte das Feuer auf die
Menschenmenge eröffnet, die wegen den Ereignissen in Kobanê bereits früh am Tag auf die Straße gegangen war. Ein
Demonstrant wurde dadurch getötet. Aufgebracht durch diesen Vorfall setzten die Demonstranten daraufhin eine
Vielzahl von staatlichen Einrichtungen in der Stadt in Brand.
In Misirc (Kurtalan, Provinz Siirt) ermorden Dorfschützer zwei Demonstranten: Bei den Protesten in Misirc eröffneten
Dorfschützer, die der AKP nahestehen sollen, das Feuer auf die Demonstranten, wodurch elf Demonstranten verletzt
wurden. Zwei der Verletzten erlagen später ihren Verletzungen im Krankenhaus.
Zehn Tote in Amed (Diyarbakir): In der kurdischen Metropole Amed wurden die Proteste durch Anhänger der
radikalislamistischen Hüda-Par angegriffen. Infolge der Auseinandersetzungen in der Stadt eröffnete eine Gruppe von
Hüda-Par Mitgliedern das Feuer auf die Demonstranten. Dabei kam zunächst ein 55 jähriger Mann ums Leben, später
erlag ein weiterer 19-Jährigen den Verletzungen, die er bei dem Angriff der Islamisten erlitten hatte. Nach diesem
Angriff der Hüda-Par Mitglieder hat die kurdische Jugendbewegung YDG-H zur Vergeltung gegen die Islamisten
aufgerufen. Es sind verschiedene Einrichtungen und Gebäude, die zur Hüda-Par oder ihr nahestehenden
Organisationen gehören, angegriffen worden. Nach noch unbestätigten Informationen ist es bei den
Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten wohl zu weiteren Toten gekommen. Die Partei Hüda-Par gehört zur
radikalislamistischen Hizbullah Organisation. Diese Organisation wurde in den 90er Jahren vom türkischen Staat
mitaufgebaut und im Kampf gegen die kurdische Freiheitsbewegung als eine paramilitärische Miliz eingesetzt. Der
Organisation wird eine Nähe zur IS nachgesagt. Sie sollte nicht mit der libanesischen Hisbollah verwechselt werden.
Drei Tote in der Provinz Mêrdîn (Mardin): In Qoser demonstrierten tausende Menschen -trotz verhängter
Ausgangssperre- gegen die IS und die AKP-Regierung. Während der Proteste eröffneten Unbekannte aus einem
fahrenden Fahrzeug das Feuer auf die Demonstranten. Dabei wurde ein 22 Jahre alter Demonstrant getötet. Zwei
weitere Menschen wurden durch gezielte Schüsse eines Hüda-Par Verantwortlichen mit dem Namen Kadri ?engül in
der Stadt Kerboran (Dargeçit) ermordet.
Ein Toter in Elih (Batman): Auch in Elih griffen in den späten Abendstunden Mitglieder von Hüda-Par Menschen an, die
gegen den IS protestierten. Durch Schüsse, die aus dem Parteigebäude von Hüda-Par in Elih abgefeuert wurden, ist ein
22Jähriger getötet worden.
Die Türkei spielt mit dem Feuer, sie spielt mit der Zukunft der Region sowie mit der Chance auf ein friedliches
Zusammenleben des türkischen und kurdischen Volkes. Wir rufen die internationale Staatengemeinschaft, in erster
Linie die EU, dazu auf, Maßnahmen gegen die Unterstützung der IS durch die Türkei zu ergreifen, da diese eindeutig
einen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellen. Die Türkei muss sich im Klaren sein, dass die Lösung der kurdischen
Frage nicht mit der Unterstützung des IS-Terrors, sondern im Rahmen einer demokratischen Verfassung mit
demokratischen Mitteln angegangen werden kann.
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner